Bericht zur Infoveranstaltung/Diskussion: Was ist zu tun vor der nächsten Flut? Diskussion in Lauenburg

Podiumsdiskussion in der Osterwold-Halle an der Elbstrasse
Das Podium v.l.n.r.: M. Raddatz (Kreisfeuerwehr), R. Nieberg (Stadtverwaltung), V. Wilms (grüne Verkehrspolitikerin), K. von Notz (grüner Wahlkreisabgeordneter), H. Krasemann (BI IGEL), K. Bunzel (Stadtvertreterin aus der Elb-Unterstadt)

“Wir kommen nach Lauenburg, wenn das Wasser und die Medienaufmerksamkeit zurück gegangen sind, um die nötigen Lehren aus der Elbflut zu ziehen”, erklärt der Grüne Wahlkreisabgeordnete Konstantin von Notz zu Anfang der gestrigen Podiumsdiskussion in Lauenburg. “Katastrophenprävention ist der beste Schutz gegen Unwetter, aber ein mühseliges Unterfangen mit einem Mix aus kurz- und langfristigen Maßnahmen, das nur gelingt, wenn alle Beteiligten an einen Tisch geladen werden – deswegen hier und heute unsere Diskussion”, so der auch für Zivilschutz zuständige Innenpolitiker aus Mölln.

Daher diskutierten auf dem Podium Vertreter von Stadtverwaltung und Kommunalpolitik, Rettungskräften und Bürgerinitiativen und nicht zuletzt viele AnwohnerInnen aus der Elbunterstadt. Die mit über 50 Gästen gut besuchte und rege Diskussion in der Osterwold Halle an der Elbstrasse zeigte, wie wichtig den Betroffenen ihre Beteiligung in dieser Frage ist.

Das Podium v.l.n.r.: M. Raddatz (Kreisfeuerwehr), R. Nieberg (Stadtverwaltung), V. Wilms (grüne Verkehrspolitikerin), K. von Notz (grüner Wahlkreisabgeordneter), H. Krasemann (BI IGEL), K. Bunzel (Stadtvertreterin aus der Elb-Unterstadt)

Reinhard Nieberg und Michael Raddatz zogen für die Stadtverwaltung bzw. die Rettungskräfte eine Bilanz des Einsatzes durch insgesamt 4000 HelferInnen. Die extrem schwankenden Pegelprognosen hätten die Koordination sehr erschwert, insgesamt sei aber die Abstimmung der unterschiedlichen Stellen gut gelungen – “auch wenn es uns als Feuerwehrleuten im Herzen weh tut, wenn wir nicht alles schützen konnten”, wie Kreisfeuerwehrführer Raddatz betonte. Die Anwohner Katharina Bunzel und Hajo Krasemann lobten auch die große Hilfsbereitschaft, dennoch müssten die Fehler kritisch aufgearbeitet werden. Das lokale Know-How der Anwohner hätte Abstimmungsprobleme bei den Pumpmaßnahmen vermieden und einen individuell auf die einzelnen Häuser optimierten Schutz ermöglicht.

Auch die grüne Bundestagsabgeordnete und Expertin für die Binnenschifffahrt, Valerie Wilms, schloss sich dem an: “Erstmal müssen die kurzfristig relativ einfach zu erreichenden Schutzmaßnahmen für die einzelnen Häuser und die öffentliche Infrastruktur umgesetzt werden: Wirklich ausreichend hochgelegte Stromleitungen, mobile Schutzlösungen usw. Dann ist Lauenburg zwar noch nicht hochwassersicher, aber schon mal hochwasserfest. Dann müssen wir uns an eine nachhaltige Gesamtlösung für das ganze Flusssystem der Elbe machen. Nur auf die ganz große Lösung zu hoffen, bringt nichts, denn bei Finanzierung, Zuständigkeiten und der Frage, wer dann seinen Acker hergibt für die Flutungsgebiete, muss mit großen Widerständen gerechnet werden.”

Hajo Krasemann von der Initiativgruppe Elbhochwasserschutz Lauenburg mahnte hier eine kombinierte Lösung aus technischen und ökologischen Maßnahmen an. “Am Oberlauf müssen Polder und Auenrenaturierung angegangen werden. Nach dem Florians-Prinzip an einer Stelle einfach Deiche zu erhöhen oder Uferbebuschung abzuholzen macht die Scheitelwelle nur noch höher und schneller – damit verlagert man die Probleme an die unteren Elbstädte wie hier in Lauenburg.”

“Umso wichtiger ist jetzt, dass wir Anwohner einbezogen werden”, forderte neben vielen Publikumsstimmen auch die Stadtvertreterin Katharina Bunzel an: “Wir brauchen nicht nur eine kluge Gesamtlösung für die ganze Elbe, sondern auch einen speziellen Schutz für das historische Erbe unserer Unterstadt”. “Es bringt nichts, wenn unser Stadtensemble unter einer riesigen Schutzmauer versinkt” erklärte auch Hajo Krasemann: “Die Bürgerbeteiligung macht die Lösung nicht langsamer, sondern schneller, weil dann weniger Klagen den Prozess aufhalten”. Hierzu wies der Landtagsabgeordnete Burkhard Peters auf die Möglichkeiten einer Petition nach Kiel hin: “Wenn Sie das Gefühl haben, vergessen oder übergangen zu werden, dann sammeln Sie die nötigen Unterschriften und fordern Gehör bei den zuständigen Stellen ein.”

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