PM vom 26.02.13: Umbenennung der Hindenburgstraße in Mölln seit langem überfällig

Mölln. Zum Antrag der Ortsverbandes Mölln von Bündnis 90/Die Grünen auf Umbenennung der Hindenburgstraße in Mölln erklärt der Grüne Landtagsabgeordnete Burkhard Peters:

„Die Umbenennung der Hindenburgstraße in Mölln ist seit langem überfällig. Paul von Hindenburg ist als Namenspatron für eine Straße aufgrund seiner mehr als zweifelhaften Rolle in der deutschen Geschichte denkbar ungeeignet. Dies belegt die neuere Geschichtsforschung, deren Ergebnisse zuletzt in einer bei ARTE gezeigten Geschichtsdokumentation von Christoph Weinert gezeigt wurden. Danach ist die Behauptung, Hindenburg habe aufgrund seiner Senilität im Januar 1933 nicht mehr durchschauen können, wen er mit Hitler zum Reichkanzler ernannte, als widerlegt anzusehen. Auch ist die Darstellung, er sei zu diesem Zeitpunkt schon so geschwächt gewesen, dass er sich den auf Hitler setzenden politischen Kräften nicht mehr habe widersetzen können, Legende. Hindenburg war vielmehr geistig durchaus noch soweit auf der Höhe, dass er sehr wohl erkannte, wem er die Regierungsmacht übergab. Dies entsprach damit auch seinem politischen Willen.“

Noch im Sommer 1934, unmittelbar vor seinem Tod, hätte Hindenburg ein politisches Testament verfasst, in dem es u.a. hieß: „Ich scheide von meinem deutschen Volk in der Hoffnung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reife zu dem 30. Januar 1933 führte, zu voller Erfüllung und Vollendung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen wird.“ Nach Einschätzung von Burkhard Peters werde aus dem Zitat deutlich, dass Hindenburg genau wie Ludendorff dem demokratischen System zutiefst reserviert, ja ablehnend gegenüber gestanden hatte. Ludendorff war im 1. Weltkrieg engster Wegbegleiter Hindenburgs der obersten Heeresleitung und 1923 am Putschversuch von Hitler beteiligt. Er gilt somit Faschist der ersten Stunde. Auch das in Leserbriefen der letzten Wochen sich Luft verschaffende deutschnationale Gedröhne belege, dass Hindenburg als geschichtliche Figur nicht geeignet ist, in einer demokratischen Bundesrepublik als Namensgeber für eine Straße herzuhalten.

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